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Zwischen Einkaufwagen und Friedhofsmauer

  • Autorenbild: Anna
    Anna
  • vor 6 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

(auf nach #Edinburgh)

Neulich an der Supermarktkasse: Die Schlange zieht sich gefühlt kilometerweit durch den Markt, während sich eine Hundertschaft von Kunden im Stop-and-Go vorwärtsbewegt. Ja, die Zündschnur ist bei vielen Menschen heutzutage erschreckend kurz.


Augenrollen, theatralisches Aufstöhnen und gemurmelte Kommentare wie „Sollten sie mal ein paar Leute einstellen!“ – natürlich laut genug, dass auch die Kassiererin sie hört. Das Eisengestell des Einkaufswagens der Endvierzigerin hinter mir bohrt sich seit den Kühlregalen mit den reduzierten Pizzen in meine Hacken. Ein Kind wirft sich laut brüllend zu Boden - heute gibt's kein Eis.


Ich atme mich in mein Mantra: Gleich ist es geschafft.


Ich werfe meine Waren aufs Band, bezahle hastig und wünsche der müde dreinschauenden Verkäuferin in Gedanken nur eines: dass sie diesen Feierabend unbeschadet und unbedingt lebend übersteht.

Das sind die Momente, in denen ich einfach nur raus will, aus allem: dem Supermarkt, der Straße, der Menschenmenge .


Endlich zu Hause, lehne ich mich von innen an die Wohnungstür, grinse und freue mich auf meinen persönlichen Exit: meine Geschichten. Mit ihnen kann ich überall hin, mir alles genau anschauen und Dinge erfinden, die mir Spaß machen, und Welten erschaffen, in denen andere Regeln gelten.

Eigentlich müsste ich diesem Supermarkt dankbar sein. Von meiner monatelangen Schreibblockade ist nichts mehr da. Ganz im Gegenteil: Ich kann es kaum abwarten, an den Schreibtisch zu kommen, auch wenn es teilweise ziemlich chaotisch aussieht.


Zum Glück habe ich mich damals entschieden, keine realistischen zeitgenössischen Sachen zu schreiben, sondern einem kleinen Mädchen mit einer kindgerechten Gruselgeschichte eine Freude zu machen. Zum Glück! Sonst hätte ich jetzt über einen Supermarkt zum Feierabend und eine Massenschlägerei kurz hinter dem Süßigkeitenregal geschrieben.


Doch diese dunklen Gedanken schiebe ich beiseite. Schließlich muss ich es gleich mit einem Poltergeist aufnehmen, der von einem Katzentroll erpresst wird. Dazu steige ich hinab in die Unterwelt von Edinburgh, schnappe mir sieben Geister (die will ich vor den finsteren Gesellen retten) und bringe sie in einer gemütlichen Wohnung einer stinknormalen schottischen Familie unter.

Meine Herren! Bin ich naiv! Denn die sieben Gespenster kennen selbstverständlich nur die Welt des Jahres 1654. Neugierig erkunden sie ihre neue Umgebung – und lassen sich dabei von mir natürlich nicht im Geringsten aufhalten.

Immerhin bleibt mir bei all diesem Chaos wenig Zeit, über meinen eigenen grauen Alltag nachzudenken. Und genau das ist es, was ich mir auch für meine Leser wünsche: einfach einmal abschalten. Sich ausklinken aus dem Gepöbel, dem täglichen Mobbing, dem Säbelrasseln und Zähnefletschen. Sich gemütlich in den Sessel fläzen und herzhaft lachen, wenn ein Schuster sauteure Peeptoes in praktisches Schuhwerk für mittelalterliche Straßen umarbeitet.

Oder sich in gruselige Momente hineinziehen lassen, in denen man am liebsten die Augen schließen möchte, weil man genau weiß, dass der Schurke bereits an der Friedhofsmauer lehnt.

Lesemomente sind kostbar, weil sie uns für eine Weile weit weg vom Alltag tragen.

Schreibmomente sind es ebenso.


Oh ja, ich arbeite nach wie vor an dem zweiten Teil von "Das Puppenhaus". Neben einem Manuskript, welches zu 55% fertig ist, gibt es bereits einen Untertitel:

Die Candlemaker Row ist eine Straße in Edinburgh, direkt am Friedhof Greyfriars Kirkyard. Ich habe damals lange überlegt, wo diese Geschichte spielen sollte, und Edinburgh schien mir dafür geradezu perfekt.

Kaum ein anderer Ort bietet eine solche Fülle an Legenden und Mythen. Geschichten von Geistern und übernatürlichen Gestalten sind hier so lebendig, dass nicht nur Schotten tatsächlich daran glauben.

Daher werden in meinem neuen Roman fast ausschließlich Geister und Fabelwesen auftreten, die es tatsächlich gab. ;-)

Auch die Schauplätze sind real.

Ich kann jedem nur empfehlen, diese faszinierenden Orte selbst einmal zu besuchen: ein Bier im White Hart Inn, dem wohl spukigsten Pub der Stadt, zu trinken, das Grab von Tom Riddle auf dem Greyfriars Kirkyard zu besuchen oder einfach der Bronzestatue von Bobby über die Schnauze zu streicheln. Das soll bekanntlich Glück bringen.


Inzwischen bin ich in der Geschichte gut vorangekommen und kann meine Charaktere immer besser einschätzen. Einige Figuren haben mir sogar schlaflose Nächte beschert und sind durch meine Träume gegeistert.

Nicht etwa, weil ich darüber nachgegrübelt hätte, wie es mit ihnen weitergeht.

Nein – ich habe mich vor dem einen oder anderen tatsächlich ziemlich gegruselt und konnte partout nicht einschlafen.

Verrückt, oder?


Mittlerweile gibt es sogar das zweite Puppenhaus als Miniatur. Eine wunderbare Orientierungshilfe: So weiß ich jederzeit, wo sich welche Figur aufhalten könnte und wie die einzelnen Schauplätze miteinander verbunden sind.



Nach wie vor kann ich mich allerdings nicht dazu entschließen, mein Manuskript zu Testlesezwecken aus der Hand zu geben. Vielleicht ist es dafür auch einfach noch zu früh.


Bei meiner letzten Lesung habe ich jedoch bereits ein Kapitel aus der neuen Geschichte vorgetragen. Seitdem erreichen mich immer wieder nette Nachfragen: Wie geht es weiter? Und wo kann man schon einmal ein paar Textschnipsel lesen?


Für alle Neugierigen wird es deshalb einen wöchentlichen Blog geben. Darin stelle ich die interessantesten Hauptfiguren und Schauplätze der neuen Geschichte vor – mit Bildern, Videos und natürlich jeder Menge Geschichten rund um „Das Puppenhaus“.



Jeder Mittwoch gehört einer Figur oder einem Ort.

Lasst Euch überraschen!


Achtung, Spoiler: Der nächste Mittwoch gehört

C O L D H A N D J A C K


1 Kommentar

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Gundi
vor 5 Tagen
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Super spannend 🙏🙏🙏 freue mich auf die Charaktere ♥️

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