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  • AutorenbildAnna

Geschmack der Kindheit


Meine Güte - die vergangenen Tage waren wie eine emotionale #Kneippkur: Heiß - kalt - heiß - kalt - usw... Es gab Ständchen, Schokolade, Blumen und viele Umarmungen, aber auch #Kondolenzbuch, #Tränen und noch mehr Umarmungen. Aber so ist das Leben halt, es gibt von allem eine Portion.

Trotzdem möchte ich eine Zeile (oder mehr) dem großartigen Menschen widmen, den wir gestern verabschieden mussten.

DANKE, dass Sie mich ein paar Jahrzehnte begleitet haben. Ich habe viel von Ihnen gelernt, wir hatten interessante Gespräche, überaus witzige Begegnungen und in meinem kleinen Herzen wird immer ein Platz für Sie sein!


Heute habe ich es nach all der Aufregung der letzten Tage ruhig angehen lassen und das super #Herbstwetter für einen langen Spaziergang in die Vergangenheit genutzt. Ich war in meiner alten Heimat und bin durch die Straßen meiner #Kindheit gelaufen. Hier das Haus meiner #Großeltern, dort die Straße, in der ich aufgewachsen bin, da wohnten meine #Schulfreunde und hier lebte meine heißgeliebte Großtante Käthe.

Irgendwie drehte sich bei uns ganz viel ums Essen. Ich war kein #Hortkind. Zum #Mittagessen ging es zu Tante Käthe, der ich dafür die zwei Eimer Kohlen in den zweiten Stock schleppte. Als ich älter wurde, haben meine Schulfreundin und ich die Mahlzeiten in Eigenregie "gestaltet". Um ein Haar hätten wir mit selbstgemachten Pommes und einer betagten, aber übermütigen Fritteuse die Küche abgefackelt. Seitdem wissen wir beide: Niemals Eis in siedendes Öl schütten! Schon gar nicht, wenn man mit offener Flamme an einem Gasherd kocht. Nun ja, ist gerade mal noch so gut gegangen.

Zu Hause herrschte ein strenges Regiment. Gefrühstückt wurde gemeinsam (es gab Toast und #Muckefuck) und um 18 Uhr hatten zum Abendbrot alle am Tisch zu sitzen. Wer zu spät kam, hatte ein Problem. Eine Uhr brauchten wir nicht und das Handy war zu dieser Zeit noch nicht erfunden. Wer jetzt denkt, unsere Eltern hätten uns mit Bowls und anderem Schickimicki an den Tisch gelockt, ist schief gewickelt. Wochentags gab es Brot und schwarzen Tee mit Zitrone. Ein "richtiges Mittagessen", also Fleisch, Gemüse und Kartoffeln gab es ausschließlich am Wochenende und (!) aus dem eigenen #Garten.

Lacht mich ruhig aus, aber ich habe mich damit nie eingeengt oder arm gefühlt. Für mich war es das absolute #Zuhausegefühl und ist es noch.

Daher wird es wenig überraschen, dass ich beim Gang durch die alten Straßen und Blick auf meine Jugendorte einen wunderbaren Geschmack im Mund hatte: Den Geschmack meiner Kindheit, und der schmeckt nach Stulle mit #Zungenwurst, #Senf und #Gewürzgurken, Schwarztee mit Zitronensaft und Zucker, in Butter gebratenes Hühnerklein und Käthes legendäre #Brotsuppe. Für mich als Kind war es das allerbeste Essen ever. Dass es ein Notessen für die hungernden Menschen in den beiden #Weltkriegen war und meine alte Großtante die Suppe nicht kochte, weil es ihr so sehr schmeckte, sondern um altbackenes Brot zu verwerten, wusste ich damals nicht.

Ich habe sämtliche #Rezepte meiner Kindheit aufbewahrt und koche sie ab und an. Dann sitze ich wieder am #Esstisch meiner Eltern, Großeltern oder meiner Großtante und genieße eine wunderbare geborgene Kindheit - und ich erinnere mich an die Gerüche. Ja, auch die sind wichtig in den Erinnerungen und bringen uns sofort an gewisse Orte und Zeiten.

In meiner Stadt gab es zwei große Fabriken: Die #Zuckerfabrik und die #Fleischfabrik. Die Zuckerfabrik habe ich gehasst, zumindest, wenn die Zeit ran war, dass Tonnen an Zuckerrüben verarbeitet werden mussten. Diesen süßlichen Geruch finde ich heute noch widerlich.

Die Fleischfabrik hatte nie Saison, da wurden ständig arme Schweine und Rinder geschlachtet und verarbeitet. In meiner Erinnerung hing dieser salzige #Pökelgeruch ständig über der Stadt. Viele würden diesen Geruch als ekelhaft bezeichnen. Für mich ist es der schönste Geruch der Welt.

Natürlich hatten wir auch die große #Werft, aber die roch nach nichts. :-)


Wie geht es Euch mit Euren #Erinnerungen an Kindheit und Jugend und an deren Geschmäcker und Gerüche. Schreibt es mir! Ich bin gespannt!


Mit einem Zug der #Wildgänse aus der Stadt entlasse ich Euch in die neue Woche. Habt aufregende sieben Tage und genießt jeden einzelnen. Am nächsten Sonntag gehören sie bereits zur #Vergangenheit.


WIR LESEN UNS!


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