Mittelalter trifft Kühlschrank: Maggie ist da!
Das Manuskript ist fertig!
Und ich bin ehrlich erleichtert. Es war ein hartes Stück Arbeit, und ich mag noch gar nicht daran denken, was in den nächsten Wochen auf mich zukommt: Die Lektorin wird sich über den Text hermachen, der Grafiker mit mir um das richtige Layout ringen, und ich werde versuchen, die Buchhandlungen davon zu überzeugen, mein neuestes Baby in ihr Sortiment aufzunehmen.
Aber egal! Jetzt gibt es ohnehin kein Zurück mehr.
Bei der letzten Eigenkorrektur des Manuskripts bin ich über eine Figur gestolpert, die ich ganz besonders ins Herz geschlossen habe: Maggie.

Maggie ist eine der sieben Geister, die ich vor dem Schattengrafen retten musste. Und natürlich habe ich auch sie in Arthurs Kinderzimmer versteckt – was, wenig überraschend, für jede Menge fröhliches Chaos sorgt.
Maggie ist Köchin. Ich vermute, dass sie bereits zu ihren Lebzeiten, irgendwann im 17. Jahrhundert, in einer schmuddeligen Küche gearbeitet hat. Und auch als Geist ist sie ihrem Beruf treu geblieben – inzwischen allerdings in einem Geisterpub.
Eine Karriere als Köchin in einer wohlhabenden Familie mit prächtig ausgestatteter Küche war Maggie nie vergönnt. Im Gegenteil: Ihr standen vermutlich nur armselige Werkzeuge zur Verfügung, das Wasser musste mühsam aus einem Brunnen herbeigeschafft werden und die Lebensmittel würden bei uns heute wohl eher nicht auf Begeisterung stoßen. Das Gemüse war möglicherweise schon ein wenig über den optimalen Reifegrad hinaus, das Fleisch – sofern überhaupt welches vorhanden war – von zweifelhafter Herkunft, und auf so manchem Lebensmittel hätten die Fliegen vermutlich bereits vor den ersten Gästen Platz genommen.

Bevor ich Maggie in die Geschichte einbaute, habe ich mich mal schlaugemacht, was in ärmeren Haushalten damals überhaupt auf den Tisch kam.
Da wären zunächst Gerste und Hafer, aus denen ein porridgeähnlicher Brei gekocht wurde. Und nein: Es ging dabei nicht unbedingt um „wohlschmeckend“. In erster Linie musste das Essen satt machen. Getreidebrei war nahrhaft und hielt lange vor.
Wusstet Ihr, dass man im damaligen Schottland bereits Grünkohl kannte. Mit dem heutigen Gericht hat das allerdings eher wenig zu tun. Der Kohl wurde zusammen mit Wasser und Hafermehl zu einer Suppe verkocht.
Keine besonders appetitliche Vorstellung.
Ich hätte wahrscheinlich sehr schnell gelernt, das Wort „lecker“ anders zu definieren und ich vermute, ich wäre im Mittelalter gertenschlank gewesen.
Edinburgh liegt am Firth of Forth, einem Meeresarm, der in die Nordsee mündet.

Außerdem fließt der Water of Leith auf mehr als 32 Kilometern durch die Stadt. Fisch dürfte es also gegeben haben. Allerdings wird auch dieser – je nach Geldbeutel – deutliche Qualitätsunterschiede aufgewiesen haben.
Interessant fand ich, den Hinweis zum Lachs.
Heute gilt er als Delikatesse. Damals war er aufgrund seines großen Vorkommens teilweise so günstig, dass er zum sogenannten „Arme-Leute-Essen“ gehörte. Eine Vorstellung, die aus heutiger Sicht fast schon absurd wirkt.
Natürlich gab es auch noch keine Elektrizität. Gekocht wurde bei dem trüben Schein einer Kerze oder im Licht des Feuers, über dem ein Kessel hing. Dazu kamen die denkbar einfachen Bedingungen in den Küchen. Der beste Freund hieß vermutlich Sauerstoffmangel und ich kann mir gut vorstellen, dass wir modernen Menschen in einer solchen Küche innerhalb kürzester Zeit nach Luft japsen würden.
Und dann wäre da noch das Wasser.

Natürlich kam es nicht einfach aus der Wand, sondern musste mühsam vom Brunnen ins Haus getragen werden. Die heutigen hygienischen Standards existierten damals noch nicht, weshalb man wohl davon ausgehen kann, dass in den Wasserbottichen nicht gerade kristallklares Trinkwasser schwappte.
Kein Wunder also, dass Jung und Alt eher sogenanntes Dünnbier tranken – ein alkoholärmeres Ale, das in vielen Fällen vermutlich die bessere Wahl als das Wasser aus zweifelhaften Quellen war.
Mit diesem Vorwissen war ich natürlich ausgesprochen gespannt, als ich Maggie in die Küche der Familie Scott stellte.
Was würde eine Köchin aus dem 17. Jahrhundert wohl von unserer modernen Küche halten?
Vermutlich hätte so manches Gerät zunächst einmal für gehörigen Schrecken gesorgt.
Der Kühlschrank zum Beispiel, aus dem Licht kommt, sobald man die Tür öffnet.
Der Herd wird auch für einige Verwirrung gesorgt haben: unzählige Knöpfe, verschiedene Funktionen – und jeder piept auf seine ganz eigene Art und Weise.
Fließendes, sauberes Wasser dagegen dürfte Maggie ziemlich großartig gefunden haben. Man dreht einfach einen kleinen Hebel – und schon kommt es. Man kann es sogar wieder abstellen.
Für uns völlig normal. Für Maggie vermutlich pure Magie. Und ich weiß, wie beeindruckend sie das fand. Ich war schließlich dabei.
Allerdings weiß ich auch, wie lange sie das Wasser laufen ließ.
Tja.
Und was Maggie schließlich mit den vielen frischen Lebensmitteln angestellt hat, die sie im Kühlschrank gefunden hat?
Das verrate ich euch lieber nicht.
Nur so viel:
Maggie hat gekocht.
Und wenn ihr wissen wollt, was eine Köchin aus dem 17. Jahrhundert mit einer modernen Küche, einem Kühlschrank voller Lebensmittel und sieben Geistern im Haus anstellt, müsst ihr wohl selbst einen Blick ins Buch werfen.
Sobald es im Laden steht.
Zum Schluss noch ein wenig Dampf aus der Spülmaschine:



Liebe Anna Hasenfuss, ich bin auch schon sehr gespannt auf das neue Buch!
ich freue mich sehr auf das neue Buch und besonsers auf Maggie